Konzept

Seit Anbeginn der Parade der Kulturen in 2003 zielte die Veranstaltung implizit auf ein breiteres Diversitätskonzept (als nur Herkunft) ab. In den letzten Jahren ist die Ablehnung gegen marginalisierte Gruppen erstarkt, womit immer deutlicher wird, dass wir uns nur gemeinsam diesen Tendenzen wirkungsvoll entgegenstellen und hin zu einer inklusiven Stadtgesellschaft entwickeln können. Daher möchten wir die gesamte Vielfalt des Frankfurter Stadtbildes präsentieren und für ein offenes, akzeptierendes Frankfurt plädieren. In diesem Sinne wird die bisherige ‚Parade der Kulturen‘ aktuell neu konzipiert und soll zu einer Veranstaltung für Vielfalt weiterentwickelt werden.

Der bisherige Teilnehmer*innenkreis der Kulturgruppen (bestehend aus Migrantischen Selbstorganisationen und Folkloregruppen) ist weiterhin ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung. Gleichzeitig wird der Teilnehmer*innenkreis erweitert und spricht nun auch Gruppen an, welche die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt Frankfurts, unterschiedliche Altersgruppen, Religionen und Weltanschauungen von Frankfurter*innen abbilden sowie Gruppen, die Frankfurter*innen mit Behinderung, Schwarze Frankfurter*innen und Frankfurter*innen of Color repräsentieren.

Unser Verständnis von Vielfalt

Darüber hinaus möchten wir mit der Neukonzeption der Veranstaltung strukturelle Diskriminierungen deutlicher als bisher adressieren und auch für die Überschneidung verschiedener Diskriminierungsformen sensibilisieren. In diesem Sinne soll die Veranstaltung die Vielfalt Frankfurts nicht nur zelebrieren, sondern auch inklusiv und diskriminierungskritisch ausgerichtet werden.

Jeder Mensch ist anders und diese Verschiedenartigkeit macht die Vielfalt einer Gesellschaft aus. Unterschiedliche Eigenschaften und Möglichkeiten lassen sich teilweise in Gruppen von Menschen zusammenfassen, welche diese Eigenschaft teilen. Wir verstehen gesellschaftliche Vielfalt und damit auch die Vielfalt Frankfurts als etwas Positives. Vielfalt ist für uns eine soziale Realität, die uns alle betrifft und die unser Zusammenleben in Frankfurt ungemein bereichert. Selbstverständlich kann uns diese Vielfalt auch herausfordern, das verstehen wir jedoch nicht als etwas Negatives, sondern als einen integralen Bestandteil einer demokratischen Gestaltung unseres Zusammenlebens. Darüber hinaus bedeutet für uns Vielfalt nicht nur Unterschiedlichkeit, sondern auch das Entdecken von Gemeinsamkeiten über Unterschiede hinweg und das Formulieren von verbindenden Werten und Wünschen, wie beispielsweise Anerkennung, Zugehörigkeit und Gleichberechtigung. In diesem Sinne wollen wir mit der Neukonzeption unterschiedliche Aspekte von Vielfalt in den Blick nehmen: wir wollen Vielfalt kennenlernen, genießen und gemeinsam feiern.
In einigen Fällen wird diese Verschiedenheit jedoch negativ bewertet und gesellschaftlich hierarchisiert. Diese Vorstellungen der Ungleichwertigkeit unterschiedlicher Menschen resultieren in Praktiken der Benachteiligung und Diskriminierung. Letztere kann strukturell in den Werten und Traditionen einer Gesellschaft verankert sein, institutionell in der Art wie Organisationen ausgerichtet sind und individuell auf direkter zwischenmenschlicher Ebene. Daher wollen wir mit der Veranstaltung auch dazu einladen, sich mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen kritisch auseinanderzusetzen und die eigene Positionierung hierin zu reflektieren. So sollen die Norm(alitäts)konstruktionen und die Dominanz der Mehrheitsgesellschaft thematisiert und problematisiert, sowie für unterschiedliche Formen von Marginalisierung und Mehrfachdiskriminierung sensibilisiert werden. Gemeinsam wollen wir voneinander hören und lernen, wie sich dies auf das (Zusammen)Leben in Frankfurt auswirkt und über Möglichkeiten nachdenken, wie wir alle gemeinsam und jede*r Einzelne individuell Diskriminierung entgegenwirken und ein inklusives Zusammenleben in Frankfurt fördern kann.
Diese gleichzeitige Anerkennung von Vielfalt einerseits und das gemeinsame Bearbeiten von Herausforderungen andererseits, sehen wir als wichtigen Beitrag für ein respektvolles, inklusives und friedliches Zusammenleben in Frankfurt. Die eingangs beschriebene Erweiterung der Veranstaltung „von Kultur hin zu Vielfalt“ bedeutet, dass wir Vielfalt „umfassender“ denken möchten als wir das bisher getan haben und gleichzeitig soll Vielfalt nach wie vor „greifbar“ bleiben. Um dies in der Konzeption und der konkreten Veranstaltungsplanung berücksichtigen zu können, haben wir uns für folgende acht Diversitätsdimensionen entschieden, die wir für das Zusammenleben in Frankfurt als besonders relevant erachten (in alphabetischer Reihenfolge):

  •  Behinderung bzw. geistige und körperliche Fähigkeiten
  • Geschlechtliche Identität
  • Lebensalter
  • Nationale Herkunft
  • Rassifizierte Zuschreibungen
  • Religion und Weltanschauung
  • Sexuelle Orientierung
  • Soziale Herkunft

Diese Auswahl basiert im Unterschied zu beispielsweise dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG)1 auf einem erweiterten Diversitätskonzept, das den Begriff der „Rasse“ explizit ablehnt und zwischen „Nationaler Herkunft“ einerseits und „Rassifizierten Zuschreibungen von außen“ andererseits unterscheidet. Des Weiteren wird „Soziale Herkunft“ als weitere relevante Dimension benannt, ernst genommen und adressiert.

 

Ziele der Veranstaltung

Mit dem neuen Konzept verfolgen wir mehrere Ziele für die Veranstaltung. Uns ist bewusst, dass im Rahmen einer Veranstaltung keine strukturellen Probleme in der Stadt gelöst werden, sondern nur Impulse und Akzente gesetzt werden können. Jedoch erachten wir genau solche Akzente als essentiell wichtig für einen positiven gesellschaftlichen Wandel, zu dem wir mit der Veranstaltung beitragen möchten. Allein schon die Präsenz, Inklusion und Partizipation marginalisierter Gruppen sendet ein politisches Signal an all diejenigen, die die Frankfurter Vielfalt noch nicht anerkennen oder gar ablehnen.


Hier unsere Veranstaltungsziele im Einzelnen:
a) Sichtbarmachung der gesamten Frankfurter Vielfalt
b) Klares Zeichen gegen Diskriminierung und für inklusive Teilhabe
c) Raum für Selbstermächtigung und Austausch
d) Politische Bildung
e) Eine Ergänzung zu anderen Veranstaltungen

 

Bestandteile der Veranstaltung

Bisherige Bestandteile sollen weiterhin fortbestehen und die Kulturgruppen, die uns von Anbeginn an begleiten, haben weiterhin einen zentralen Platz in der Veranstaltung.

D.h. es gibt nach wie vor:

  • Eine Demonstration
  • Ein vielfältiges Bühnenprogramm
  • Einen Markt mit kulinarischen und kunsthandwerklichen Angeboten

Eine Neuerung und somit besonderer Bestandteil der neuen Veranstaltung ist das

  • Polit. Bildungsprogramm, dass im Rahmen dieser Veranstaltung in 2021 erstmals umgesetzt wird.